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ZWEI DIE GERNE ZUSAMMENHALTEN

Langfassung des Gesprächs zwischen Schauspieler Sebastian Ströbel und Nasser Ahmed

Zwei die gerne zusammenhalten: Schauspieler Sebastian Ströbel und Oberbürgermeisterkandidat Dr. Nasser Ahmed Bild: Maria Bayer

Der eine lebt in Hamburg, der andere ist waschechter Nürnberger. Warum sich Schauspieler Sebastian Ströbel und Nasser Ahmed dennoch kennen, mögen und schätzen, verraten sie im Interview. Ein Gespräch über die Liebe zum 1. FCN, den Mut zur Veränderung und warum es sich lohnt, niemanden zurückzulassen.

Hamburg vs. Nürnberg, Schauspielerei vs. Politik. Auf den ersten Blick habt ihr nicht viel gemeinsam, wie kommt es, dass ihr euch kennt?

Sebastian: Wir sind uns im Stadion in Nürnberg über den Weg gelaufen, wobei ich Nasser in den Sozialen Medien tatsächlich schon länger folge. Du bist mir als junges, frisches Gesicht in der Politik aufgefallen. Deshalb habe ich dich nach dem Spiel auch sofort erkannt, um genau zu sein: nach dem 2:1 Heimsieg gegen Hannover 96, was ja allein schon ein Wunder war.

Nasser: Eine absolute Sternstunde für den Clubb. So viel Dusel und hinter mir hat immer jemand so laut gejubelt und dann habe ich mich umgedreht und habe den Sebastian Ströbel erkannt. Bisher kannte ich dich nur aus dem Fernsehen. Und ich habe mich dann gefragt, Wahnsinn, der Typ wohnt doch gar nicht in Nürnberg, was macht der hier? Und warum ist der so leidenschaftlich dabei?

Moment, Sebastian, du bist als Hamburger Clubfan?

Sebastian: Seit ich denken kann. Ich habe den Verein von meinem Vater in die Wiege gelegt bekommen. Er war glühender Clubfan, weil er als Kind sehr viel Zeit bei meiner Großtante in Nürnberg verbracht hat. Und mein Credo ist, dass man seinen Verein nicht wechseln kann. Und das gebe ich jetzt an meine Töchter weiter. Wenn es zeitlich passt, fahren wir gemeinsam runter und genau deshalb fühle ich mich auch mit Nürnberg als Stadt irgendwie verbunden.

Nasser: Ja, Nürnberg und der 1. FCN. Das ist untrennbar. Wenn der Club verloren hat, ist eine ganze Woche lang schlechte Stimmung in der Stadt. Und man ist trotzdem gern Glubberer, weil ich glaube, es ist einfach etwas Größeres. Es hält uns irgendwie alle zusammen und von daher war für mich immer klar, mein Verein ist und bleibt der Club. Er gehört einfach zu meiner Heimat mit dazu.

Sebastian: Was auch seine Schattenseiten hat. Ich jedenfalls habe immer noch keinen Weg gefunden, meine Stimmung nach einer Niederlage hochzuhalten. Das ärgert mich. Ehrlich, ich bin 48 Jahre alt!

Das heißt, der Fußball spielt eine wirklich große Rolle in eurem Leben?

Nasser: Ja, in meinem Fall sogar doppelt. Der Fußball ist genau das, was meinen Vater auf seiner Flucht aus Eritrea in Ägypten durch den Alltag gebracht hat. Er hat als 14-Jähriger in Kairo auf der Straße gelebt und angefangen, Straßenfußball zu spielen, und er hat es dann fast bis in die Profiliga in Ägypten geschafft. In Nürnberg später, mit Familie hat er dann natürlich uns, meinen Bruder und mich, im Sportverein in der Nachbarschaft, beim DJK Falke, angemeldet. Mein Vater war bis zum letzten Tag seines Lebens aktiver Fußballer, leider ist er viel zu früh verstorben. Aber der Fußball hat uns wirklich geholfen, hier im Stadtteil voll integriert zu werden.

Sebastian: Tolle Geschichte, was für ein tolles Beispiel für Integration. Die gehört verfilmt!

Nasser: Aufgeschrieben habe ich die Geschichte schon. Der Prolog zu meinem Buch ist meinem Vater gewidmet, für ihn war Deutschland ein Sehnsuchtsort, er hat an Deutschland geglaubt und das als schwarzer Mensch, gerade mal 25 Jahre nach dem Nationalsozialismus.

Sebastian: Super, beeindruckend. Für mich ist Integration eines der wichtigsten Themen überhaupt. Wir müssen „Deutschsein“ neu definieren. Das hat doch nichts damit zu tun, dass man seit 20 Generationen deutsche Eltern hat, sondern das ist ein Gefühl. Es hat etwas mit gemeinsamen Werten zu tun.

Nasser: Genau, ich finde dieses ‚gerne Deutsche oder Deutscher zu sein‘ dürfen wir nicht den Rechtsextremen überlassen, sondern wir müssen eine konstruktive Heimatliebe mit den richtigen Sachen füllen.

Sebastian: Dass wir in einer Demokratie leben, das kann uns zum Beispiel stolz machen, dass wir Politiker und Politikerinnen haben, die sich für uns, für mich einsetzen. Natürlich gibt es auch die, die sich gerne in den Mittelpunkt stellen aus Eitelkeit, ist bei der Schauspielerei ja nicht anders, aber im Kern geht es doch um die Werte, die ihr als Politiker lebt und dieses Kreative, dass ihr unser Miteinander gestalten wollt. Dafür habe ich höchsten Respekt.

Hast du dir deshalb Zeit für dieses Gespräch genommen?

Sebastian: Ja, ich möchte sichtbar machen, wie wichtig es ist, dass es Menschen gibt, die sich für das Miteinander in einer Gesellschaft einsetzen und genau das machst du, das macht ihr Politiker und Politikerinnen. Darüber müssen sich die Leute wieder klar werden. Es bräuchte einfach eine emotionale Bindung zur Demokratie, so wie beim Fußball.

Sebastian, hast du denn auch eine emotionale Bindung zu Nürnberg über den FCN hinaus?

Sebastian: Ich lerne die Stadt immer besser kennen, seitdem ich mit meinen Töchtern zu den Spielen fahre. Nürnberg hat ja eine wahnsinnig interessante Geschichte, dass die Stadt so eine bedeutende Rolle im Mittelalter gespielt hat. Ich bin ein riesiger Dürer-Fan. Die Bedeutung für die Spielzeugindustrie und dann natürlich auch das dunkle Kapitel, die NS-Zeit. Ganz viele Facetten und heute: diese Gemütlichkeit in der Stadt – und ich habe wirklich eine Schwäche fürs ‚Fränggische‘.

Nasser: Ja und es ist eben nicht nur dieses Mittelalterliche, der Christkindlesmarkt, die Nürnberger Bratwurst, wir haben hier die höchste Dönerdichte Bayerns, 52 Prozent der Menschen hier haben eine Migrationsgeschichte, es ist eine Arbeiterstadt. Es ist der perfekte Ort zum Wohnen und wo Vielfalt kein Problem ist, sondern funktioniert.

Kein Alt-Text hinterlegt. Bild: Maria Bayer

Für Sebastian ist ja Hamburg eine Wahlheimat. Gibt es für dich auch andere Sehnsuchtsorte?

Nasser: Ich reise gerne und bin mit meiner Frau und meiner Tochter viel und gerne im Ausland unterwegs. Ich bin Italien-Fan, auch weil die römische Antike die westliche Welt so geprägt hat. Mich reizt auch die Weltoffenheit in Küstenstädten, das brauche ich dir als Hamburger ja nicht zu erzählen. Dennoch habe ich mir nie vorstellen können, woanders zu leben.

Sebastian: Eine Art Sehnsuchtsort ist die Arktis, weil du dort diese Kraft der Natur so intensiv erlebst. Diese Weite und diese Einsamkeit, das Meditative und dieses mit sich und bei sich selbst zu sein. Für Dreharbeiten hatte ich nun das große Privileg, dort Zeit verbringen zu dürfen. Oder auch in den Bergen, in den Alpen kann man das auch erleben.

Nasser: Deine Arktis-Sehnsucht hat doch sicherlich auch etwas damit zu tun, die Grenzen der Zivilisation auszuloten.

Sebastian: Oh, ja, auch da schafft es die Natur, den Menschen aufs Wesentliche zu reduzieren. Du hast dann den puren Menschen vor dir und das mag ich. Ich mag Menschen überhaupt sehr gerne. Ja, ich liebe Menschen und freue mich über jeden, den ich kennenlernen darf. Und ich denke, das wäre auch der richtige Weg für die etablierten Parteien, den Menschen wieder auf Augenhöhe zu begegnen, dass man zuhört und dass man ihnen das Gefühl gibt, gehört und gesehen zu werden.

Nasser: Wenn du wirklich für alle da sein willst und alle zur Solidarität anleiten willst, dann musst du auch alle Menschen lieben und dann musst du auch erstmal offen sein für alle, die sich im demokratischen Spektrum bewegen.

Sebastian: Genau, es gibt natürlich Regeln, an die sich alle halten müssen, das ist ganz klar, aber innerhalb dieser Regeln müssen wir auch Sachen aushalten, die wir nicht gut finden. Und darum geht es ja in unserer Demokratie, da kann sich jeder entfalten und machen was er will, solange er eben die Verfassung und die Demokratie achtet.

Habt ihr bei Begegnungen mit Menschen schon Grenzüberschreitungen erlebt?

Sebastian: Die allermeisten kommen auf mich zu, weil sie ein Foto mit mir wollen. Wenn das jemanden glücklich macht, ja dann mache ich das natürlich. Das fühlt sich ja auch für mich gut an. Einige fühlen sich auch dazu berufen, zu sagen, sie finden deine Serie doof oder so. Aber im Prinzip sind die Begegnungen, die ich habe, sehr positiv.

Nasser: Ich finde es auch gut, wenn Menschen auf mich zukommen und mir offen sagen, was sie denken. Das nervt mich gar nicht, auch wenn sie anderer Meinung sind. Begegnungen sind immer eine Chance. Aber: Leider bin ich mittlerweile eine Zielscheibe für die Rechtsextremen in unserer Stadt. Ich spreche mich ganz deutlich gegen die rechtsextremen Umtriebe in Nürnberg aus. Und für sie wäre ein schwarzer Oberbürgermeister das Allerschlimmste. Früher habe ich das wegignorieren können.
Jetzt habe ich Familie, eine kleine Tochter. Und wenn jetzt der Staatsschutz bei mir anruft, um mit mir über die Bedrohungslage zu sprechen, ist das schon beängstigend. Aber, das habe ich mit meiner Frau so besprochen, sie ist auch der Meinung: Wir dürfen uns nicht einschüchtern lassen und wir stehen das gemeinsam durch.

Sebastian: Respekt vor diesem Mut, vor dieser Zivilcourage, wenn du Kinder hast, ist der Einsatz ja noch um einiges höher. Das ist schon eine Herausforderung. Dazu noch die Soziale Medien, da schaukelt sich das ja zusätzlich hoch, wegen der Klicks.

Nasser, du hast gerade deine kleine Tochter angesprochen. Sebastian, du hast vier Töchter. Wie geht ihr mit dieser Verantwortung um?

Nasser: Natürlich gehe ich keine unnötigen Risiken ein, aber die Geburt meiner Tochter hat mir nochmal zusätzlich gezeigt, wie wichtig es ist, das Miteinander in unserer Stadt zu gestalten. Ich möchte, dass meine Tochter in einem Nürnberg aufwächst, in dem es keine Rolle spielt, welche Hautfarbe sie hat. Und darin sehe ich meine Verantwortung.

Kein Alt-Text hinterlegt. Bild: Maria Bayer

Andererseits hast du gerade durch deinen Wahlkampf wahrscheinlich kaum Zeit für deine Tochter …

Nasser: Ja, das stimmt. Das ist ein großes Problem. Ich versuche dennoch, jede freie Minute mit ihr zu verbringen. Zum Beispiel ganz früh am Morgen, sie ist ja noch ganz klein und wacht total früh auf. Und wir fahren im Urlaub auch gerne weg, damit wir dann eine wirklich gute intensive Familienzeit verbringen können.

Sebastian: Dass du deiner Tochter eine bessere Gesellschaft hinterlassen möchtest oder ihr auch durch dein politisches Engagement einen Weg bereiten möchtest, das hat doch einen immensen Wert für sie! Ich finde das zeigt deutlich, man kann für seine Kinder auch etwas tun, wenn man weit weg ist. Ich bin ja auch oft wochenlang auf Dreh. Aber im Kleinen kann jeder was bewegen: Nett zu den Menschen sein, mit denen man zu tun hat, gut zusammenarbeiten, seinem Umfeld ein gutes Gefühl geben. Das sind diese kleinen Schritte, mit denen man Dinge, mit denen man die Gesellschaft verändert, Gräben überwindet.

Nasser: Ja, sehe ich genauso. Als Oberbürgermeister kannst du aber sogar an den größeren Stellschrauben drehen. Der sollte ja nicht nur ein Grüßaugust sein. Ich werde keine Angst haben, Entscheidungen zu treffen. Ein Oberbürgermeister muss gestalten, in unserem Fall für 550.000 Nürnbergerinnen und Nürnberger.

Sebastian: Und dafür finde ich es eben auch ganz wichtig, dass du ein junger Mann mit einer jungen Familie bist. Das heißt ja auch Aufbruch. Ja, auch mal Mut haben für unbequeme Entscheidungen. Bei solchen Entscheidungen ist es ganz wichtig, dass man Menschen zeigt, dass sich Veränderungen lohnen. Und das schafft eben die Hoffnung, mit der wir eine bessere Gesellschaft aufbauen können.

Nasser, hast du dafür mit der SPD die richtige Partei im Rücken?

Nasser: Die SPD steht aus Tradition für frische Ideen und für das Aufnehmen von allen Perspektiven der Gesellschaft. Mich hat die Geschichte der SPD immer schon begeistert, weil sie Inklusion und Teilhabe geschaffen hat für Menschen, die außerhalb der Entscheidungsstrukturen standen. Zuerst waren es die Arbeiter, die sich dann mit den Frauen für das Wahlrecht verbrüdert haben, dann mit den so genannten Gastarbeitern. Das hat mich immer an der SPD begeistert.

Sebastian: Und die SPD hat immer dann Verantwortung übernommen, wenn es darum ging, etwas voranzubringen und Reformen durchzubringen. Da bin ich dieser Partei sehr dankbar. Und wir brauchen auch heute eine Partei, die allen die Hand reicht. Wir brauchen jemanden, der nicht spaltet, sondern zusammenführt und genau das tut die SPD, bei allen Schwächen, die sie gerade hat. Die Idee der Sozialdemokratie hat noch lange nicht ausgedient. Im Gegenteil, das ist genau das, was wir alle jetzt brauchen.

  • Kein Alt-Text hinterlegt. Bild: Maria Bayer

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